Neubau einer katholischen Kirche in Frankfurt

Nur sehr selten wird in Deutschland eine neue katholische Kirche gebaut. Die Gemeinde St. Jakobus Frankfurt verwirklicht in Kooperation mit dem Bistum Limburg in Frankfurt-Goldstein einen Kirchenneubau als Ersatz für die 55 Jahre alte St. Johannes-Kirche.

Glockenturm und Taufkapelle bleiben erhalten
In Folge der Kriegszerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland insbesondere zwischen 1950 und 1970 zahlreiche neue Kirchenhäuser gebaut. Nur selten blieben Ruinen oder Fragmente der zerstörten Kirchen erhalten. Die Neubauten wurden meist in moderner und teilweise experimenteller Architektur verwirklicht. Sichtbeton, Bruchstein, Ziegel, Glas und Stahl waren die bevorzugten Materialien – die Dächer häufig die markantesten Bestandteile der Architektur. Auch die St. Johannes-Kirche in Goldstein hatte eine ungewöhnliche Architektur: In „Scheibenbauweise“ errichtet, wurde der Kirchenraum zwischen Bodenplatte und Decke eingefasst. Aufgrund dieser komplizierten architektonischen Lösung und der damit verbundenen Statik war ein Umbau dieses Gebäudes allerdings nicht mehr möglich. Mit dem Neubau möchte Pfarrer Werner Portugall von der Gemeinde St. Jakobus das Erlebnis Kirche in den Vordergrund rücken. Die Dimensionen schrumpfen und tragen damit der mit den Jahren kleiner gewordenen Gemeinde Rechnung. Im Sinne der städtebaulichen Kontinuität bleiben zudem Glockenturm und Baptisterium (Taufkapelle) des Vorgängerbaus erhalten. Der Kirchenneubau soll rund 3,5 Millionen Euro kosten. Zirka 550 Quadratmeter Fläche für Kirche und Gemeindesaal verteilen sich auf Gruppenraum, Bücherei und Pfarrsaal.

Lockere Bestuhlung anstatt fester Bänke
Entwickelt hat das Neubaukonzept für die Gemeinde St. Jakobus das Büro Königs Architekten aus Köln. Errichtet wird ein Zwillingsbau: Gottesdienstraum und Gemeindezentrum entstehen parallel zueinander und werden durch einen gemeinsamen Eingang mit Lichthof erschlossen. Das Ensemble wird sich mit Rundungen und großen Fenstern zur Umgebung öffnen. Dadurch erhält der angrenzende Goldsteinpark eine würdige Rolle, er kann zukünftig als ergänzender Erholungsraum für Teilnehmer von Veranstaltungen viel besser genutzt werden. Architekt Ulrich Königs sieht darin eine Möglichkeit des Experimentierens. Nach seiner Ansicht kann die Gemeinde zukünftig dadurch neue Formen des Erlebens von Gottesdiensten und Glauben erproben. In der neuen Kirche wird das einfallende Tageslicht eine große Rolle spielen. Je nach Jahreszeit und Tageszeit sollen die Räume anders wirken. Zugunsten einer maximalen Variabilität wird auf feste Bänke verzichtet – je nach Bedarf kann der 150 Menschen fassende Kirchenraum locker bestuhlt werden. Dank Fußbodenheizung ist in der Zukunft eine besonders vielfältige Nutzung möglich. Die alte St. Johannes-Kirche ist mittlerweile abgerissen, die Bauvorbereitungen laufen. 2019 soll das neue Ensemble fertig gestellt sein.

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