Kreativer Ansatz des Hochbauamtes prämiert

Wenn Schulgebäude saniert werden müssen oder sich Schülerzahlen massiv verändern, brauchen viele Schulen temporäre Raumlösungen. Ähnlich dringend wie Wohnungen in Frankfurt, werden mit steigenden Einwohnerzahlen auch Schulerweiterungen notwendig. Durch die politische Entscheidung Europas, die Bankenaufsicht bei der EZB in Frankfurt anzusiedeln, wurden von der EZB mehr als 1000 Mitarbeiter eingestellt. Aufgabe für das städtische Schulamt als Bauherr war, für die Kinder aus 28 Mitgliedsstaaten das Lernen an der Europäischen Schule sicher zu stellen.
Aufgrund der Kapazitätsprobleme sollte die Europäische Schule im Praunheimer Weg 126 einen Erweiterungsbau für 17 Klassen erhalten. Anstatt wie üblich, Schulklassen in ihren Ausweichquartieren vorübergehend in Containerbauten in Stahlbauweise zweckmäßig unterzubringen, beschritt das Hochbauamt neue Wege. Die Schule erhielt in kurzer Zeit einen dreigeschossigen Neubau in schlüsselfertiger Holzmodulbauweise. Im Gegen­satz zu den herkömmlichen Containern schaffen die Raummodule eine freundlichere und helle Lernumgebung. Es ist ein Modellprojekt entstanden, das über Frankfurts Grenzen hinweg Schule macht. Der Impuls für den neuen Ansatz im Schulbau kam Mitarbeitern des Hochbauamts während einer Dienstreise. Sie übernachteten in einem mehrstöckigen Hotel, das komplett aus Holz-Raum-Modulen errichtet wurde und wollten eine solche Lösung auch für den Schulbau entwickeln. Der Rest ist Geschichte. Den Auftrag, eine solche Holzlösung in einen Entwurf umzusetzen, sicherte sich das Frankfurter Architekturbüro NKBAK.

Helle Räume mit vollverglaster Fassade
Der Entwurf war im April 2014 fertig. Er bezieht das Außengelände der Europäischen Schule mit ein und nimmt Bezug auf die verschiedenen Himmelsrichtungen. Obwohl das Gebäude in Holz-Raum-Modulen und in kurzer Zeit errichtet werden musste, bewahrt der Entwurf seine Eigenständigkeit: Klassenräume mit großzügigen Raumhöhen von 2,95 Metern ordnen sich um breite offene Flure an und bieten mit dem im Gebäudeinneren überall sichtbaren, nur lasierten Holz ein angenehmes Lernklima. Der helle Flur gibt den Blick nach draußen frei und wird als Begegnungsstätte genutzt. Die vertikale Erschließung innerhalb des Gebäudes erfolgt über drei Treppenhäuser. Diese setzen mit ihren leuchtenden Farben starke Akzente und bieten zudem eine Orientierung für kleine und große Nutzer. Der zentrale Aufgang ist zusätzlich mit einem Aufzug ausgestattet. Alle Klassenräume haben eine vollverglaste Fassadenseite, sodass die Schüler eine helle Lernumgebung und ein Blickfeld aufs Außengelände haben. Weitere Räume wie Arbeits- und Mehrzweckräume, Aufwärmküche mit zugehörigem Speisesaal sowie ein Bewegungsraum finden ebenfalls in dem Gebäude Platz. Der Bewegungsraum mit seiner Spannweite von 12 Metern ist der einzige Raum, der mit einer Stahlkonstruktion statt mit Holz versehen ist. Verkleidet sind die Außenwände mit glänzenden Aluminium-Trapezblechen.

euro-schule
Nach 16 Monaten war der Schulbau fertig
Die europaweite Ausschreibung für die Entwurfsumsetzung entschied als Generalunternehmer die Firma Kaufmann Bausysteme aus Österreich für sich. Die Module haben eine Spannweite von bis zu neun Metern als tragende Konstruktionen. Insgesamt zirka 1000 Kubikmeter Fichtenbrettsperrholz und 200 Kubikmeter Buchenbauholz verarbeitet der Generalunternehmer in der Steiermark zu insgesamt 98 Raummodulen. Ein Klassenraum wird aus drei Raummodulen zusammengesetzt und misst 76 Quadratmeter. Jedes einzelne Raummodul wurde in der Bregenzer Werkstatt komplett gefertigt: vom Zuschnitt über die Montage der Holzpaneele bis hin zum Einbau von Fenstern, Türen, Haustechnik, Heizkörper, Beleuchtung und vielem mehr. Die komplett vorgefertigte Schule transportierten zahlreiche LKWs just in time an ihren Bestimmungsort in Frankfurt. Vom LKW aus werden die jeweiligen Raummodule wie bei einem Legobausatz auf die vorbereitete Stahlbetonbodenplatte gesetzt. Pro Tag montierte das Unternehmen zehn Module. Innerhalb von dreieinhalb Monaten war der schlüsselfertige Schulbau für die Nutzung bereit. Es wäre durchaus möglich, die Schule abzubauen und an einem anderen Ort zu errichten.

Holzbaupreis zeichnet temporären Erweiterungsbau aus
Das Modulgebäude erhielt den Hessischen Holzbaupreis 2015. Der Preis zeichnet Leuchtturm-Projekte aus, die zu großen Teilen aus dem ressourcenschonenden Bau- und Werkstoff Holz sind. Statt Container für die Erweiterung der Europäischen Schule zu verwenden, setzte das Hochbauamt auf Holz. Es ermöglichte damit eine innovative zeit- und kostensparende Lösung, die zugleich ein freundliches Lernumfeld für 400 Schüler darstellt.

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