Frankfurt und Offenbach rücken noch ein bisschen näher zusammen

Selbst große Veränderungen beginnen mit kleinen Schritten. Ein solcher kleiner, aber bedeutender Schritt ereignete sich gerade erst vor wenigen Tagen. Die bedeutende Veränderung, zu der dieser Schritt möglicherweise beigetragen hat, bezieht sich auf das Verhältnis der beiden Nachbarstädte Frankfurt und Offenbach, die ja bekannterweise seit jeher eine besondere Beziehung pflegen.
Um die tradierten Vorurteile und die bestehenden Hürden für eine engere Kooperation abzubauen, habe ich gemeinsam mit Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider ein so genanntes Panel intensiv begleitet, das unsere beiden Städte in Zusammenarbeit mit dem Urban Land Institut (ULI) organisiert haben.

Das ULI Advisory Service Panel ist ein internationales Expertengremium, das sich mit den Möglichkeiten einer stärkeren regionalen Zusammenarbeit zwischen den beiden Großstädten beschäftigt hat. Zehn Fachleute aus der Regionalplanung, Stadtplanung und Immobilienwirtschaft haben im Lauf einer Woche an Ideen und Strategien für eine gemeinsame zukunftsorientierte Entwicklung über geografische und administrative Grenzen hinweg gearbeitet. Dabei wurden gute, innovative und vielversprechende Ansätze entwickelt. Das hat einmal mehr bestätigt, dass der Blick von außen und der damit verbundene Perspektivwechsel oft weiterhelfen können, insbesondere in der Verbindung mit den vielfältigen Erfahrungshintergründen der Teilnehmer.
Gemeinsam verfügen beide Städte über Ressourcen und Qualitäten, die einander bedürfen, um die Zukunft der Global City Frankfurt /Offenbach zu prägen. Im internationalen Wettbewerb der Metropolregionen benötigt das Rhein-Main-Gebiet eine abgestimmte Entwicklung. Offenbach und Frankfurt arbeiten schon jetzt in vielerlei Hinsicht eng zusammen, beispielsweise bei der Entwicklung des gemeinsamen Gewerbegebiets Kaiserlei. Dieses sieht das Expertengremium als Nukleus einer möglichen vertieften zukünftigen Entwicklung an.

Doch die Vorschläge gehen weit darüber hinaus: So zählt eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft der beiden Städte zu den ambitionierteren Ideen. Ebenso wie die Ideen einer einheitlichen Tarifzone im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), einer verlängerten Straßenbahnverbindung über die Frankfurter Stadtgrenze hinweg nach Offenbach, eines „7-Kräuter-Parks“ in Anspielung auf die in Oberrad wachsenden Zutaten für die „Grie Soß“ oder eine S-Bahn-Süd-Tangente. Aber auch kleinere Projekte wie ein gemeinsamer Stadtplan, ein Wassertaxi auf dem Main oder ein Quartier für Kreative und Hochschulen wurden entwickelt. Schon in der Zusammenarbeit mit dem Expertenpanel sehe ich wie gesagt einen weiteren wesentlichen Schritt, wie Frankfurt und Offenbach noch ein bisschen näher zusammenrücken können. Über ein anderes gemeinsames Projekt lesen Sie auch auf Seite 24.

Ein weiteres wichtiges Thema, das dieser Tage viele Menschen bewegt, ist der erste Bürgerentscheid der Stadt Frankfurt am Main. Dabei geht es um die Frage, ob auf dem bisher als Galopprennbahn genutzten Areal in Niederrad künftig die Akademie des Deutschen Fußball-Bundes angesiedelt wird und ein Bürgerpark entsteht – oder ob die Planungen dafür eingestellt werden müssen. Nur bei einem „Nein“ im Bürgerentscheid kann der DFB seine Akademie hier bauen und sich damit auch langfristig an Frankfurt binden. Ansonsten droht, dass er erwägt, in eine andere Stadt zu ziehen. Und das wäre sicher kein Schritt nach vorn für Frankfurt. Alle Informationen hierzu finden sich auf den Seiten 22 bis 23.

Olaf Cunitz
Bürgermeister und Planungsdezernent
der Stadt Frankfurt am Main

Artikel drucken Artikel drucken