Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle

Großmarkthalle von Südosten, zirka 1930

Es ist ein sehr anspruchsvolles Projekt. Wie verbindet man die wenigen baulichen Fragmente, die an den Sammlungsplatz und die Deportation jüdischer Frankfurter zwischen 1941 und 1945 erinnern, zu einem Ort des Gedächtnisses? Die Erinnerungsstätte an der Großmarkthalle ist teilweise bereits fertig gestellt, derzeit aber noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Ort, bestehend aus einem öffentlichen Weg entlang der ehemaligen Holzmannstraße, einem Rampenbauwerk, Kellerräumen unter dem Kopfbau Ost der Großmarkthalle, einem Stellwerk sowie einem Fußgängersteg mit Treppenaufgang, befindet sich teilweise auf dem Gelände der Europäischen Zentralbank (EZB). Voraus gegangen war ein zweistufiger internationaler Wettbewerb, ausgelobt durch das Stadtplanungsamt Frankfurt, welcher in enger Zusammenarbeit zwischen EZB, Jüdischer Gemeinde und der Stadt Frankfurt vorbereitet wurde. Der Siegerentwurf des Architekturbüros KatzKaiser verzichtet weitestgehend auf Erläuterungen. Der Ort soll räumlich-inhaltliche Zusammenhänge herstellen und so an die Geschehnisse und die Beiläufigkeit, mit der dies bei laufendem Marktbetrieb und unter den Augen von Zuschauern geschah, erinnern. Die Informationsvermittlung erfolgt über in verschiedene Bauteile eingeschriebene Zitate von Opfern und Beobachtern. Aus verschiedenen Blickwinkeln werden so die Vorgänge der Deportationen beschrieben.

60 Meter langes Bauwerk
Das Rampenbauwerk aus Beton, das als Bindeglied zwischen dem öffentlichen und dem nur begrenzt zugänglichen Bereich der Erinnerungsstätte vermittelt, zitiert eine ehemalige Zugangsrampe, von der heute nur noch ein Teil existiert. Von zwei hohen Wänden wird das 60 Meter lange Bauwerk begrenzt. Der Weg über die Rampe führt in den Keller unter der Großmarkthalle. Dieser Keller wurde behutsam in seinem letzten Zustand konserviert. Einzige neue Elemente im erhaltenen Rampenreststück und in den Kellerräumen sind Betonflächen, mit denen die Öffnungen ehemaliger Türen, Durchgänge und Fenster verschlossen wurden. Auch in diese Flächen wurden Zitate eingraviert. Dieser Teil der Erinnerungsstätte liegt auf dem Gelände der Europäischen Zentralbank und wird im Rahmen von Führungen durch das Jüdische Museum zugänglich sein. Für das Hochbauamt der Stadt Frankfurt ist das Gesamtprojekt bis zu seinem Abschluss eine hoch komplexe Aufgabe unter Einbeziehung einer Vielzahl von Fachämtern und Fachplanern. Besonders komplex wurde die Baumaßnahme durch die Integration in die laufende Großbaustelle der Europäischen Zentralbank. Hier waren Bauabläufe und Sicherheitsbelange der EZB zu berücksichtigen. Frankfurtbaut berichtet über die im Bau befindlichen weiteren Bereiche der Erinnerungsstätte in einer der nächsten Ausgaben.

Rampenbauwerk als Teil der Erinnerungsstätte

 

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