Bürgerentscheid über DFB-Akademie und Bürgerpark

Derzeit führt die Galopprennbahn um den Golfplatz. Auf diesem Areal könnte in Zukunft ein Bürgerpark und die DFB-Akademie entstehen.

Die Stadt Frankfurt am Main steht unmittelbar vor dem ersten Bürgerentscheid seiner Geschichte: Am 21. Juni 2015 stimmen die Frankfurter darüber ab, ob auf dem Gelände der bisherigen Galopprennbahn in Niederrad künftig ein Bürgerpark und das neue Leistungszentrum des Deutschen Fußball-Bundes, die DFB-Akademie, entstehen werden – oder ob das Vorhaben scheitert.
Die Stadt beabsichtigt, das etwa 38 Hektar große Areal neu zu entwickeln. Für die DFB-Akademie ist im südlichen Teil eine Fläche von 15 Hektar plus eine Option auf weitere fünf Hektar vorgesehen, die als Sondergebiet Sport festgesetzt werden soll. Rund 8,6 Hektar sind Bannwald und werden als solcher im Bebauungsplan festgeschrieben. Außerdem sollen rund 9,4 Hektar weitgehend als öffentliche Grünflächen mit Erholungs-, Freizeit- und Sportfunktion für die Allgemeinheit als Bürgerpark zur Verfügung gestellt werden. Damit entsteht im nördlichen Teil insgesamt ein zirka 18 Hektar großer Grün- und Erholungsraum. Hier soll es, neben einer hohen ökologischen Qualität, Angebote für Freizeitsport und Bewegungsräume geben. Die Bürger werden in mehreren Phasen einbezogen und sollen maßgeblich an der Ausrichtung des Parks mitwirken.

Die Bürger entscheiden über die Zukunft
Grundlegend für das Vorhaben ist das laufende Bebauungsplanverfahren Nr. 916 „DFB-Akademie – Südlich Niederräder Landstraße“, mit dem die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Neuordnung geschaffen werden. Es wurde von einer breiten Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung auf den Weg gebracht. Doch gegen diese Pläne richtet sich der Bürgerentscheid.
Sollten eine Mehrheit der Abstimmenden und zugleich mehr als 25 Prozent der Stimmberechtigten mit „Ja“ stimmen, können der Bürgerpark und die DFB-Akademie nicht auf dem Gelände entstehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass dort weiterhin eine Galopprennbahn unterhalten werden muss. Denn aus Sicht der Stadt Frankfurt ist es nicht gewährleistet, dass der Rennbetrieb ohne Zuschüsse weitergehen kann – die Stadt hat in den vergangenen Jahren hohe Summen in den Pferderennsport gesteckt, beispielsweise durch Investitionen, eine Bürgschaft, Sportfördermittel, nicht beglichene Forderungen und den Verzicht auf Pachteinnahmen, die dem Rennbetrieb zugutekamen. Es ist zudem fraglich, ob der Deutsche Fußball-Bund, wenn er seine Pläne in einer anderen Stadt verwirklichen muss, weiterhin seinen Hauptsitz in Frankfurt behält.

Verwaltung und Sportstätten auf einem Areal
Mit der Akademie möchte der Deutsche Fußball-Bund mit Blick auf künftige Entwicklungen im Vereins- und Verbandsfußball eine nationale wie auch internationale Vorreiter-Rolle übernehmen und die „Schmiede deutscher Fußball-Zukunft“ errichten. Die geplante Akademie ist daher sowohl eine sichtbare Investition in die Zukunft des Verbandes als auch ein herausragendes Projekt für die Stadt Frankfurt am Main. Dort sollen Aus- und Fortbildungs- sowie Trainingsangebote für die Leistungsträger des Fußballs, also den Nationalspielerinnen und -spielern, den Fußballtrainern und den  Fußballmanagern sowie Schiedsrichtern auf Spitzenniveau geboten werden. Die Entwicklung des Fußballs in Deutschland soll damit innovativ vorangetrieben werden.
Die Akademie umfasst alle hierzu erforderlichen Einrichtungen, vor allem Sporteinrichtungen wie Trainingsfelder, Fitnesseinrichtungen, Sporthallen, Schulungsräume und Übernachtungsangebote. Außerdem werden dort Sportwissenschaftler, Mediziner und viele andere Fußballexperten zusammenkommen, um ihr Wissen und ihre Kompetenzen nicht nur im Trainingsbetrieb einzubringen, sondern auch weiter zu entwickeln. Da der DFB auch seine neue Zentrale auf dem Areal ansiedeln möchte, hat sich der Verband bewusst für einen Standort in der Sportstadt Frankfurt entschieden. Für die anspruchsvolle Planungs- und Bauaufgabe lief ein zweistufiger Realisierungswettbewerb, dessen Ergebnisse bis zum Redaktionsschluss allerdings noch nicht vorlagen. Der Baubeginn seitens des DFB ist bereits im kommenden Jahr vorgesehen, der Baubeginn für den Bürgerpark ist frühestens ab Mitte 2017 zu erwarten.

Die möglichen künftigen Nutzungen

Das Grundstück gehört schon seit langer Zeit der Stadt Frankfurt
Im Vorfeld wurde eine gemeinsame Nutzung des Areals durch den Rennklub und den DFB von einem renommierten Planungsbüro geprüft – mit eindeutig negativem Ergebnis. 23 potenzielle Flächen wurden für die Akademie untersucht, doch kein anderes Areal erfüllte die notwendigen Voraussetzungen. Auf dem Grundstück selbst gibt es keine unlösbaren natur-, umwelt- oder wasserschutzrechtlichen Probleme. Während heute etwa 1,2 Hektar versiegelt sind, werden es nach den bisherigen Plänen für die Akademie schätzungsweise 1,8 Hektar sein. Das Grundstück gehört seit jeher der Stadt Frankfurt am Main. Gerüchte, dass die Galopprennbahn einst im Besitz der Brüder Carl und Arthur von Weinberg gestanden habe und nur für die Nutzung als Galopprennbahn überlassen wurde, entbehren jeglicher Grundlage. Auch die Behauptung, dass die Brüder die Galopprennbahn 1938 unter Druck der Nationalsozialisten verkaufen mussten, ist nicht zutreffend.

Nein ankreuzen: Dann können DFB-Akademie und Bürgerpark realisiert werden
Im Rahmen der verschiedenen Teilprojekte gibt es unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten. Bei dem Bebauungsplanverfahren sind insbesondere die formalen Schritte einzuhalten. In Verbindung mit den Beschlüssen sollen zudem die politischen Gremien und die Öffentlichkeit beteiligt werden. Die Gestaltung eines Bürgerparks bietet vielfältige Möglichkeiten der Einbeziehung der Bürger. Es ist unter anderem ein Ideenworkshop vorgesehen. Über alle Aspekte des Vorhabens bietet auch die Internetseite www.perspektive-niederrad.de umfassende Informationen.

Die wichtigsten Fragen auf einen Blick

Warum werden auf dem Areal keine Wohnungen gebaut?
Das Gelände der zukünftigen DFB-Akademie liegt in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens. Dies ist Siedlungsbeschränkungsgebiet. Wohnungen dürfen hier nicht errichtet werden.

Wie wird das Gelände künftig öffentlich zugänglich sein?
Im Gegensatz zur heutigen Nutzung als Galopprennbahn und Golf­anlage wird der Bürgerpark künftig jederzeit allen Bürgern zur Erholung und für Freizeitaktivitäten offen stehen. Für die Öffentlichkeit soll eine größtmögliche Zugänglichkeit für das Gesamtgelände der DFB-Akademie erreicht werden. Unter anderem wird es eine Fan-Anlaufstelle und einen Fan-Shop geben.
Es ist jedoch davon auszugehen, dass die sportlichen Einrichtungen des DFB, vergleichbar mit städtischen Sportanlagen, eingezäunt werden. Zudem plant der DFB auch öffentliche Veranstaltungen für die Bürger. Der DFB-Campus wird nicht mit hohen Mauern umgeben, sondern erhält eine für den Zweck angemessene Einfriedung, die sich an den üblichen Sicherheitsstandards von städtischen Sportanlagen orientiert.

Verdrängt der DFB die Galopprennbahn?
Nein. Der Galopprennsport konnte auf dem städtischen Gelände nur mit erheblichen öffentlichen und privaten Mitteln aufrechterhalten werden. Nach Bekunden des damaligen Präsidenten des Rennklubs gab und gibt es niemanden, der in Zukunft ähnliche finanzielle Mittel in den Betrieb der Rennbahn investieren möchte. Eine dauerhafte Subvention des Galopprennsports ist von Seiten der Stadt Frankfurt nicht geplant.

Steht die Rennbahn unter Denkmalschutz?
Auf dem Gelände sind lediglich das Kassenhäuschen in der Schwarzwaldstraße 125 und die Hügelgräber im nördlichen Bereich an der Niederräder Landstraße denkmalschutzrechtlich geschützt. Beide Denkmäler bleiben erhalten und werden in die zukünftige Nutzung integriert.

Wie sind die ökologischen Auswirkungen auf das Gelände?
Das Gelände der Rennbahn liegt zum größten Teil im Landschaftsschutzgebiet Zone Eins. Dort sind unter anderem Sportplätze und dazugehörige Gebäude zulässig. Die Neuanlage der DFB-Akademie soll möglichst schonend mit der Umwelt umgehen. Es wird nicht in den Bannwald eingegriffen. Im südlichen Teil befindet sich ein Trinkwasserschutzgebiet. Das bedeutet nicht, dass dort nicht gebaut werden darf. Die Bebauung muss jedoch das Gebiet berücksichtigen. Im Übrigen stehen hier derzeit auch Gebäude. Auf dem Areal befindet sich ebenfalls schützenswerter Magerrasen. Dieser ist vorwiegend im Norden angesiedelt und soll in den Bürgerpark integriert werden. Für alle Eingriffe in den Landschaftsschutz wird es einen ökologischen Ausgleich geben. Der Bürgerpark wird eine besondere ökologische Qualität bekommen.

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