Der Wandel ist ein Charakteristikum dieser Stadt

Editorial

Frankfurt am Main wandelt sich atemberaubend schnell. Einerseits wächst die Bevölkerungszahl rasant. Aber auch die bauliche Realität ist seit jeher von Umbrüchen geprägt: Alte Gebäude weichen neuen, kleinere großen, aus Gewerbeflächen werden Wohnungen. Jährlich werden mehrere tausend Bauprojekte fertiggestellt. Dieser Wandel ist somit ein Charakteristikum und die Dynamik Teil der Frankfurter Identität. Als Planungsdezernent dieser Stadt beschäftigt mich daher die Frage, wie das Frankfurt von morgen aussehen mag. In manchen Bereichen können wir uns das heute schon sehr gut vorstellen.

Etwa beim früheren Deutsche Bank-Areal im Bankenviertel, über das auch in der vorliegenden Ausgabe von Frankfurtbaut berichtet wird. Mit dem Projekt „Four“ wird sich das Bankenviertel deutlich verändern: Es wird vielfältiger, attraktiver, belebter, es wird auch als Wohn- und Freizeitstandort mit öffentlichen Nutzungen, Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und Hotels genutzt werden.
Wenn man es sich genau überlegt, ist dieser Wandel bereits heute im vollen Gange. Das Quartier, das von außen betrachtet durch Büros in Hochhäusern geprägt ist, bietet schon jetzt viel mehr. Wir haben kulturelle Nutzungen wie das English Theatre oder die Dependance des Museums für Moderne Kunst. Wir haben zahlreiche Geschäfte und Gastronomieangebote, Dienstleistungen und Freizeitangebote wie etwa Fitnessstudios. Und schon jetzt wird dort gelebt: Zählt man die Wohnungen zusammen, die im Rahmen des MainTor-Areals, des TaunusTurms, des Omniturms und des „Four“ errichtet werden, so sind das mehr als 1000 Wohnungen. Das ist eine nennenswerte Größe, die das Quartier deutlich zum Positiven verändern wird.

Bei „Four“ wird erstmals bei einem Hochhausprojekt im Bankenviertel geförderter Wohnraum errichtet. Dort werden Menschen aller Einkommensgruppen leben. Das ist enorm wichtig, da die Schaffung von ausreichend bezahlbarem Wohnraum eine der dringlichsten Aufgaben der Stadtentwicklung in Frankfurt darstellt. Daher sorgen wir stärker als früher dafür, dass bezahlbarer Wohnraum entsteht. So ist es gelungen, den Rückgang des Bestands an sozial gebundenen Wohnungen durch den Neubau geförderter Wohnungen und Belegrechtsankauf deutlich zu verringern. Unser Ziel ist aber, den bisherigen Anteil der geförderten Wohnungen am Gesamtbestand wenigstens zu halten, besser noch auszubauen.

Erst vor wenigen Wochen habe ich die Planungsüberlegungen zum Römerhof vorgestellt. Hier können wir durch die Verlagerung des VGF-Omnibusbetriebshofs und weiterer Nutzungen ein Stadtquartier mit rund 2 000 Wohnungen in hochattraktiver Lage bauen. Das neue Quartier wird Bockenheim, das Rebstockareal und das Europaviertel enger mit dem Frankfurter Westen verknüpfen, nicht zuletzt durch ergänzende Infrastruktureinrichtungen.

Sowohl beim Projekt „Four“ als auch beim Römerhof haben wir es mit cleverem Flächenrecycling zu tun. Auch in der angespannten Situation, die wir derzeit auf dem Wohnungsmarkt haben, lassen sich solche Flächen identifizieren und umnutzen. Aber wir dürfen uns hier keinen Illusionen hingeben. So richtig die Innenentwicklung ist und so erfolgreich wir bei Konversionsprojekten und Umnutzungen, behutsamer Nachverdichtungen und Arrondierungen auch sind – es reicht nicht aus. Frankfurt braucht mindestens einen neuen Stadtteil. Auch vor dem Hintergrund, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum nicht ohne die Ausweisung von neuen Baugebieten diskutiert werden kann. Konkrete Standortvorschläge wurden bei der Erarbeitung des integrierten Stadtentwicklungskonzepts Frankfurt2030 geprüft. Damit würde sich Frankfurt freilich wieder etwas verändern. Doch wie gesagt: Der beständige Wandel ist ein Charakteristikum dieser Stadt.

Mike Josef

Dezernent für Planen und Wohnen
der Stadt Frankfurt am Main

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