Der neue Stadtteil – eine Chance für Frankfurt und die Region

Kaum ist mit dem Riedberg die letzte große Stadterweiterung beinahe zu Ende gebracht, schon planen wir wieder einen neuen Stadtteil im Frankfurter Nordwesten. Wer selbst keine Wohnung sucht, mag sich vielleicht fragen, ob es überhaupt nötig ist, weiter zu bauen. Wer aber eine bezahlbare Wohnung sucht oder sich die Bevölkerungsentwicklung anschaut, der weiß, dass daran kein Weg vorbeiführt.

Trotz Umnutzungen, Nachverdichtungen und Arrondierungen – Frankfurt braucht dennoch einen neuen Stadtteil auf freier Fläche. Nur so wird es in den nächsten Jahren gelingen, ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.
Die Überlegungen für den neuen Stadtteil befinden sich am Anfang; sozusagen in der „Planungsphase Null“. Der Untersuchungsraum umfasst rund 550 Hektar, die wir genauer unter die Lupe nehmen werden um herauszufinden, ob und wo wir innerhalb dieses Areals Wohnbauflächen entwickeln können. Die Fläche ist also nicht identisch mit der potenziellen Baufläche, die wohl rund ein Drittel davon betragen wird, also etwa 190 Hektar. Das wiederum ist eine Bruttobaufläche, das bedeutet, dass diese Fläche auch nicht komplett bebaut werden wird, sondern darin auch Parks, Spielplätze, Verkehrsflächen und alles, was dazu gehört, zu finden sind.

Jede Entwicklung neuer Baugebiete muss zahlreiche Rahmenbedingungen beachten und löst vielfältige Konflikte mit anderen Zielen und Interessen aus. Und jede Planung, die die innere Stadt vor zu viel Nachverdichtung schützt und den Grüngürtel frei hält, nähert sich den Nachbarkommunen. Wir machen aber keine Planung gegen Oberursel, Eschborn oder Steinbach. Im Gegenteil: Unser Projekt ist durchaus auch als ein Angebot an die umliegenden Gemeinden und die Region zu verstehen. Denn nicht nur Frankfurt wächst; in vielen Kommunen im Ballungsraum ist von einem anhaltenden Einwohnerwachstum und dem damit verbundenen Siedlungsdruck auszugehen, gerade in den Mittelstädten mit gutem S-Bahn-Anschluss.

In der Summe werden in der Region bis zum Jahr 2030 voraussichtlich rund 180 000 Wohneinheiten gebraucht. Hiervon kann die Stadt Frankfurt nur einen Teil beitragen. Wir sind eine offene Stadt und Region, es herrscht Freizügigkeit in Deutschland und der Europäischen Union und wir sind dankbar für diese Freizügigkeit und die wirtschaftliche Prosperität von Frankfurt/RheinMain, die die Menschen zu uns führt. Nichtstun ist da keine Alternative.
Im neuen Stadtteil könnten etwa 8 000 bis 10 000 Wohnungen für 20 000 bis 25 000 Einwohner entstehen. Wichtig ist auch eine Vielfalt des Wohnungsbaus und eine Vielfalt der Nutzungen: Wir möchten 30 Prozent der Flächen für den geförderten Wohnungsbau. Und wir hoffen, dass wir auch ein umfangreiches Angebot für gemeinschaftliche Wohnformen und Baugenossenschaften bieten können. Dazu natürlich U-Bahn-Anschluss, Parks, Schulen, Kitas, Läden und alle weiteren Einrichtungen, die zu einem lebendigen Stadtteil gehören. Auch die Bauformen sollen abwechslungsreich sein, jeder soll sich dort wohl fühlen können, ein lebendiges Quartier soll entstehen.

Ein zentrales Thema ist natürlich die A5: Wie kann sich der Stadtteil vor dem Lärm und den Abgasen der Autobahn schützen? Und wie kann die Barrierewirkung der Autobahn überwunden werden? Das wird sehr schwierig, ist aber auch eine große Chance für die Region, solche unnatürlichen Grenzen und Barrieren zu überwinden.

Mike Josef

Dezernent für Planen und Wohnen
der Stadt Frankfurt am Main

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